So lief die Tatnacht ab
Am siebten Tag des Prozesses gegen Marius Borg Høiby (29) schildert das dritte mutmaßliche Vergewaltigungsopfer die Tatnacht aus ihrer Sicht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Stiefsohn von Kronprinz Haakon (52) vor, ohne Zustimmung der Frau mehrere Videos davon aufgenommen zu haben, wie er ihren Unterleib berührte. Auf manchen Aufnahmen scheint sie zu schlafen. Zwischen 08:08 Uhr und 08:25 Uhr am Morgen des 24. März 2024 seien die Videos entstanden. Sie umfassen eine Gesamtlänge von 103,18 Sekunden. Vor Gericht beginnt die Betroffene zu erzählen – nur ausgewählte Medienvertreter dürfen im Saal bleiben, unter anderem das norwegische Magazin VG.
Das mutmaßliche Opfer habe Marius an dem Abend im März 2024 auf einer Party kennengelernt. Zunächst sei sie in Oslo unterwegs gewesen und dann zu einer Afterparty in einer Wohnung gegangen. “Dort trafen wir Marius”, wird sie zitiert. Auf die Nachfrage des Staatsanwalts erzählt sie, an diesem Abend viel Alkohol konsumiert zu haben. “Ich war ziemlich betrunken. […] Ich wollte feiern, ich war glücklich und gut gelaunt”, erinnert sie sich. Zwischen ihr und Marius habe eine “flirty” Stimmung geherrscht, vor allem, als sie im Zuge eines Trinkspiels ihre Klamotten tauschten. Sie behauptet, gemerkt zu haben, dass Marius in dieser Nacht Kokain konsumierte. Später sei sie mit ihm in ihre Wohnung gegangen, wo die beiden Sex hatten. Vor dem Schlafengehen habe sie selbst Schlaftabletten genommen, wie sie es auch an normalen Abenden zu tun pflegte.
Über das Aufwachen am nächsten Morgen im März 2024 sagt die Frau, dass sie sich an ein Licht erinnere, vermutlich das Licht einer Smartphone-Kamera, mit der Aufnahmen gemacht worden sein sollen. “Es fühlte sich an wie ein Traum. Es fühlte sich an, als würde mir eine sehr starke Sonne ins Gesicht scheinen, und das passierte mehrmals. Als ich am nächsten Tag aufwachte, hatte ich ein ungutes Gefühl”, wird sie von der Zeitung zitiert. Während sie dies schildert, seien ihr die Tränen gekommen. Die Frau erinnert sich, dass Marius “blitzschnell verschwand. Ich weiß noch, dass ich froh war, dass er ging.”
Marius selbst sagte vor wenigen Tagen zu einer der Taten aus, die ihm in diesem Prozess vorgeworfen wird. Dabei ging es um die Vorwürfe der sogenannten “Lofoten-Frau” gegen ihn. Auch sie soll er vergewaltigt haben – der Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit (52) bestritt jedoch vor Gericht, dass er sich zu diesem Zeitpunkt eines unrechten Verhaltens bewusst gewesen sei. “Wie ich schon sagte: Ich habe sie natürlich schon oft geweckt, um mit ihr Sex zu haben. Es gab dabei nie ein Problem. Ich habe kein ‘Nein’ oder ‘Ich will nicht’ bekommen. Warum sollte ich das [die Vergewaltigung] also tun?”, beteuerte er.
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